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Es ist für mich nicht einfach, offen darüber zu reden. Ich denke dennoch es ist der richtige Weg damit um zu gehen. Ich wurde auf Instagram dazu inspiriert, da einige sehr offen mit ihrer Krankheit umgehen und genau das möchte ich jetzt auch tun.

Was ist eigentlich eine Skoliose?

Skoliose ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, die sich als Verschiebung und/oder verdrehung äußert. Je nach dem wie Stark die Krümmung ist verformen bzw. Verschieben sich Knochen. Dementsprechend kann es eben zu Beschwerden kommen.
Die Verschiebung ist meistens S förmig, die Wirbelsäule versucht damit das Gleichgewicht wieder her zu stellen.

So äußert sich Skoliose auf meinen Körper.

Die Verschiebung meiner Wirbelsäule ist eher ein umgedrehtes „S“, die Brustwirbel verschieben sich stark nach Rechts und die Lendenwirbelsäule nach links, sie ist auch etwas in sich verdreht. Durch die Verschiebung der Brustwirbel hat sich mein Brustkorb etwas verschoben und besonders im Rückenbereich hat sich mein Körper sehr verformt. An dem Bild ist das sehr gut zu erkennen.
Bei längerem Stehen bekomme ich Beschwerden mit denen ich aber gelernt habe um zu gehen.
Für mich ist schlafen mit das wichtigste damit ich mich Erholen kann. Ihr könnt euch vorstellen wie das ist wenn ich mal schlecht schlafe.
Ich komme aber mittlerweile sehr gut damit zurecht.

Skoliose und die Komplexe die dadurch entstehen.

Womit ich aber schon immer zu Kämpfen hatte sind die Komplexe die mit der Skoliose kommen.
Ich habe mir immer sehr viel Gedanken darüber gemacht was mein Umfeld von mir denkt und wie sie mich sehen. Das war nicht immer einfach für mich und besonders die Schulzeit war dadurch nicht einfach.
Zudem kam noch dazu, dass ich in meinen letzten Schuljahren auch noch ein Korsett bekommen habe.
Welches ich nicht während der Schulzeit getragen habe, einfach aus Angst.
Wie bei so vielen, war mir einfach das Bild, wie meine Mitmenschen mich sehen wichtiger als mein eigenes Wohlbefinden.
Ich war keinem extremen Mobbing ausgesetzt doch durfte ich mir schon den ein oder anderen Spruch anhören und fühlte mich nie als ein Teil der Klasse.
Im Berufsleben wurde es dann besser und mein Selbstbewusstsein wuchs auch etwas. Beim weggehen war es dennoch nicht einfach mich unter so vielen Menschen zu begeben. Menschen die über mich urteilen und mich mit anderen Augen betrachten. So waren jedenfalls meine Gedanken.
Um diese Gedanken zu Unterdrücken habe ich gerne etwas zu viel getrunken und gewöhnte mich an eine andere Version meiner selbst. Eine mit vermeintlich mehr Selbstbewusstsein.
Ich möchte damit nicht sagen, dass ich ein Alkohol Problem hatte aber am Wochenende habe ich es schon irgendwie gebraucht.
In den letzten Jahren habe ich aber daran gearbeitet und fand meine andere Version immer unwirklicher und ich kam einfach immer weniger damit klar, nicht mehr ich selbst zu sein.
Ich trinke jetzt kaum noch Alkohol und bin viel Selbstbewusster geworden. Auch die Sozialen Medien helfen mir dabei aus mich raus zu gehen und mehr nach außen zu treten.

Was ich gegen die Skoliose tue?

Es hat mit der Erstuntersuchung in der Grundschule begonnen, dort wurde ich zu Krankengymnastik verdonnert. Von einer Skoliose war hier leider noch nicht die Rede.
Mit dem Wachstum wurde es dann immer Schlimmer und mein Körper hat sich dann, wie oben beschrieben verändert.
Ich ging dann zu mehreren Ärzten und bevor ich meine Ausbildung antrat bekam ich ein Korsett und bin auf eine spezielle Skoliose Kur gegangen.
Das Korsett war die Hölle für mich weshalb ich es nicht mehr trage und auch kaum getragen habe. Ich hatte extreme Schmerzen und war in der Bewegung sehr eingeschränkt. Grausam.
Daher habe ich mich gegen das Korsett entschieden und mich nach alternativen umgesehen, natürlich habe ich sehr viele gefunden aber diese waren nicht wirklich effektiv.
Eine Operation kam für mich erst einmal nicht in Frage da ich dann mit Bewegungseinschränkungen rechnen muss und ich dann doch sehr beweglich bin mit meiner Skoliose. Zum anderen würde sich an meinem Erscheinungsbild nicht viel ändern dies müsste mit einer Schönheits OP behoben werden welche ich dann ja natürlich selbst zahlen müsste. 
Nun mache ich schon seit einigen Jahren Sport und seit gut 2 Jahren Krafttraining und es geht mir besser denn je damit. Zudem habe ich durch das Krafttraining die Möglichkeit meine Haltung zu verbessern.

Wie würde so eine Operation aussehen?

Das lässt sich eigentlich sehr schnell erklären.
Die Wirbelsäule wird freigelegt, mit schrauben und dünnen Stahlseilen stabilisiert und aufgerichtet. Danach hat man natürlich eine große narbe am Rücken und hat eine lange Genesungsphase. Zudem werden bei dem Eingriff auch Muskeln verletzt die man dann mit Reha wieder aufbauen muss.
In der Regel werden nur bei extremen Skoliose fällen zu diesen Operationen geraten aber das ist wohl auch etwas Arzt abhängig.
Ich habe mich beraten lassen und mir wurde davon abgeraten, da es sein kann, dass ich weniger beweglich bin als ich es jetzt bin.

Was ich anderen Betroffenen sagen möchte?

Versucht mit eurer Skoliose zu Leben, ich weiß es ist schwer aber sie ist ein Teil von euch und macht euch aus. Es kommt aber auch darauf an wie sehr ihr darunter Leidet. Habt ihr extreme Schmerzen und seid in eurer Bewegung sehr eingeschränkt ist eine OP vielleicht doch der richtige weg. Scheut euch nicht davor mit einem experten darüber zu reden und holt euch am besten eine zweite Meinung dazu ein. 
Ich habe es auch getan und mich somit gegen die OP entschieden. Auch wenn es hieß, dass ich mit meiner Skoliose leben muss.
Macht das beste daraus und hört nicht auf das was andere sagen. Ihr seid niemandem etwas schuldig außer euch selbst.
Ihr seid klasse auch mit Skoliose!

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